40 Jahre Schlosspark: Gärtner Rainer Henseler blickt zurück
Vier Jahrzehnte lang war Rainer Henseler im Park von Schloss Eichholz als Gärtner tätig. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand und erzählt uns von seinen schönsten Erinnerungen.
23.10.2025
LESEZEIT: 9 MINUTEN
KATEGORIE: INTERVIEW, GARTEN
AUTOR:iNNEN: ANNA KATHARINA HAAG
Wer durch den Park von Schloss Eichholz spaziert, erlebt einen Park, der über Jahrzehnte gewachsen und geprägt worden ist. Kaum jemand kennt ihn so gut wie Rainer Henseler: Seit Mai 1985 war der gelernte Forstwirt als Gärtner im Schlosspark tätig, davon lange Zeit im Dienst der Konrad-Adenauer-Stiftung, der das Gelände damals gehört hat. In dieser Zeit hat er den Park geprägt und zugleich seine Wandlung miterlebt: vom Englischen Garten hin zu einem Ort der Permakultur. Nach 40 Jahren verabschiedet sich Rainer Henseler nun in den wohlverdienten Ruhestand und blickt zurück auf eine Zeit voller Erinnerungen, Begegnungen und kleiner Geschichten, die zeigen, wie sehr ihm dieser Ort ans Herz gewachsen ist. Wir haben mit ihm über seine Zeit im Schlosspark gesprochen.
Gärtner mit Leidenschaft
Wenn man Rainer Henseler nach seinem Lieblingsort im Schlosspark fragt, muss er nicht lange überlegen: „Der ganze Park.“ Im Gespräch wird schnell deutlich, wie stark seine Verbundenheit mit diesem Ort ist. Der Park ist für ihn nicht nur Arbeitsplatz, sondern vor allem ein Ort, der ihm besonders am Herzen liegt. Deshalb war die Arbeit als Gärtner für ihn nie bloß ein Beruf, sondern eine Leidenschaft. „Ich habe immer gerne gearbeitet und mich am Freitag schon auf den Montag gefreut. Wenn es gestürmt oder gewittert hat, bin ich manchmal auch sonntags in den Park gefahren, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist und nichts heruntergefallen ist.“ erzählt er.
Als Rainer Henseler damals begann im Schlosspark zu arbeiten, musste er sich zunächst umstellen: Statt Forstwirtschaft ging es im Schloss Eichholz vor allem um Parkpflege. Das bedeutete für ihn, dass neben Eichen und Buchen plötzlich auch Blumen und Sträucher zum Arbeitsalltag gehörten. Doch die neue Aufgabe gefiel ihm und er hatte Lust, etwas Neues zu lernen. Auch das Tempo im Schlosspark war ein anderes als in der Forstwirtschaft. Während dort Akkordarbeit und Leistung im Vordergrund standen, zählte im Park vor allem die Schönheit und er konnte sich Zeit nehmen, damit alles bestmöglich gelang. Seiner Liebe zu Bäumen blieb Henseler jedoch treu: „Bäume sind etwas Tolles. Ich kann zu jedem Baum hier eine Geschichte erzählen“, sagt er und blickt auf den Mammutbaum gegenüber vom Schloss. Er schätzt ihn auf etwa 110 Jahre und berichtet, dass dieser von der damaligen Hausherrin in den 1920er oder 1930er Jahren gepflanzt wurde, als sie zur Kommunion gegangen ist. „Wenn der erzählen könnte...“, lacht er.

Begegnungen im Schlosspark
Bis das Schloss Eichholz 2016 vom Gezeiten Haus übernommen wurde, arbeitete Rainer Henseler für die Konrad-Adenauer-Stiftung. In dieser Zeit hat er viele bekannte Politiker:innen im Schlosspark persönlich begrüßen dürfen, von Angela Merkel bis hin zu Helmut Kohl. Als Gärtner gehörte Henseler damals zum sogenannten Technischen Dienst, zu dem neben ihm zum Beispiel auch Fahrer, Techniker und Hausmeister gehörten. In diesem Team unterstützten sie sich gegenseitig und halfen einander aus, wenn jemand krank war. So begleitete Henseler einmal eine Tagung im Hohenkarpfen als Fahrer und fuhr dort Politiker wie Wolfgang Schäuble. Dieser war so begeistert von Henselers gewissenhaftem Fahrstil, dass er ihn sich sogar als persönlichen Fahrer vorstellen konnte – kein Wunder, schließlich war Henseler die Strecke in der Nacht zuvor drei Mal probegefahren, erinnert er sich schmunzelnd. Doch so schmeichelhaft das Angebot auch war, für ihn stand fest: „Ich bin ein Gartenmensch.“ Und daran war nicht zu rütteln.
Eine weitere Begegnung ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: das Treffen mit Politiker Karl Carstens. Noch am Tag vor dem Treffen hatte Henseler etwas bei ihm zu Hause vorbeigebracht, wobei ihm im Vorgarten auffiel, dass Carstens’ Rosen von Sternrost-Flecken befallen waren. „Als Herr Carstens am Tag darauf zu mir kam und sagte: ‘Herr Henseler, meine Rosen zu Hause …’, da habe ich ihn unterbrochen: ‘… die haben dunkle Flecken. Das ist Sternrost.’“ Er lacht bei der Erinnerung. Der Politiker war sichtlich erstaunt, woher er das wusste. Nachdem Henseler ihm die Situation erklärt hatte, gab er ihm ein Mittel aus seinem eigenen Fundus gegen den Sternrost mit. „Im Jahr darauf kam Herr Carstens wieder zu mir und sagte stolz: ‘Herr Henseler, ich habe die besten Rosen in ganz Meckenheim!’“, erzählt er mit einem zufriedenen Lächeln.
Ein Ort voller Erinnerungen
Ein Baum, der Rainer Henseler besonders am Herzen lag, war die alte Trauerbuche an der Rundwiese gegenüber vom Schloss, die rund 200 bis 300 Jahre alt war. Die Trauerbuche hatte eine beruhigende Ausstrahlung, die auch anderen auffiel: So kam eine Nachbarin des Schlosses regelmäßig in den Park, lief zielstrebig zur Buche und verweilte dort – damals war der Park noch öffentlich zugänglich. Für Henseler war ihre regelmäßige Anwesenheit die schönste Wertschätzung seiner Arbeit. Eines Tages stellte die Nachbarin sogar einen kleinen Porzellanengel in eine Vertiefung des Stamms – ein Symbol ihrer Verbundenheit. Vor einigen Jahren wurde die Buche jedoch durch Windbruch beschädigt und musste aus Sicherheitsgründen gefällt werden. „Als ich die gefällt habe, das hat wehgetan. Da kam auch mal ein Tränchen raus“, erinnert er sich. Noch heute denkt er oft an den Baum zurück und nahm sich damals ein Stück des Stammes als Andenken mit nach Hause.
Die Trauerbuche musste leider gehen – und auch sonst hat sich der Park in den vergangenen Jahren stark verändert. Mit Gärtner Jakob Averbeck ist die Permakultur in den Schlosspark eingezogen und eröffnet neue Perspektiven. Für die Zukunft möchte Henseler ihm noch einen persönlichen Wunsch mitgeben: „Ich wünsche Jakob, dass alles, was er anfängt, gelingt und dass er seine Träume und Vorstellungen vom Park umsetzen kann.“ Auch wenn Rainer Henseler nun in den Ruhestand geht, dem Schlosspark wird er sicher trotzdem weiter treu bleiben. Als Besucher, als Gärtner im Herzen und als jemand, der den Park immer ein Stück weit mit sich trägt.