Frauenmedizin in der Psychotherapie: Warum Frauengesundheit ganzheitlich gedacht werden muss
Interview mit Dr. med. Sarah Wemme zum Thema ganzheitliche Frauengesundheit
25.03.2026
LESEZEIT: 10 MINUTEN
KATEGORIE: INTERVIEW, FRAUENGESUNDHEI, MENTALE GESUNDHEIT
AUTOR:iNNEN: DR. MED. SARAH WEMME UND MAREIKE PENDEROCK
In der modernen Medizin wird immer deutlicher, dass körperliche Beschwerden und psychische Belastungen eng miteinander verbunden sind – besonders in der Frauengesundheit. Hormonelle Veränderungen, Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre sowie psychosoziale Belastungen können das körperliche und seelische Wohlbefinden stark beeinflussen. Im Gezeiten Haus Bonn wurde deshalb ein interdisziplinäres Angebot entwickelt, das diese Zusammenhänge gezielt in den Mittelpunkt stellt: Ganzheitliche Frauengesundheit. Das Konzept verbindet gynäkologische Expertise mit psychosomatischer Medizin, Psychotherapie sowie körper- und kreativtherapeutischen Ansätzen.
Federführend beteiligt an diesem Konzept ist Dr. Sarah Wemme. Als Oberärztin arbeitet sie an der Schnittstelle von Gynäkologie, Psychosomatik und Sexualmedizin. Im Interview erklärt sie, warum viele gesundheitliche Beschwerden von Frauen nur im Zusammenspiel von Körper, Psyche und Lebenskontext verstanden werden können – und warum eine geschlechtersensible Medizin immer wichtiger wird.
Hintergrund & Motivation
Frau Dr. Wemme, was war der Auslöser dafür, ein spezifisches Angebot zur Frauengesundheit in einer psychosomatischen Klinik zu entwickeln?
Wemme: In meiner klinischen Arbeit habe ich immer wieder erlebt, dass viele Beschwerden von Frauen nicht klar einer einzigen medizinischen Disziplin zugeordnet werden können. Patientinnen kommen beispielsweise mit Symptomen von Erschöpfung, Schmerzen oder Depressionen in die stationäre Behandlung – und häufig spielen gleichzeitig hormonelle Veränderungen oder spezifische weibliche biografische Erfahrungen, wie ein unerfüllter Kinderwunsch oder eine traumatisch erlebte Geburt, eine Rolle. In klassischen Versorgungssystemen werden diese Aspekte oft getrennt betrachtet. Unser Ansatz im Gezeiten Haus ist es daher, die verschiedenen Ebenen zusammenzuführen. Das Konzept der ganzheitlichen Frauengesundheit entstand aus dem Wunsch heraus, Frauen einen Ort zu bieten, an dem körperliche, hormonelle und psychische Aspekte gemeinsam verstanden und behandelt werden.
Welche Versorgungslücken erleben Sie im klinischen Alltag, wenn es um Frauen mit psychosomatischen Beschwerden geht?
Wemme: Leider werden viele Beschwerden oft entweder ausschließlich somatisch oder ausschließlich psychotherapeutisch behandelt – dabei lassen sie sich nicht voneinander trennen. Beispielsweise können hormonelle Veränderungen die Vulnerabilität für psychische Symptome verstärken. Das sehen wir häufig bei Frauen nach einer Geburt oder in den Wechseljahren. Auch chronische Schmerzen, etwa bei einer Endometriose, führen im Laufe der Zeit zu einer erheblichen psychischen Belastung und wirken sich auf die Alltagsfähigkeit, die Sexualität und die Reproduktion aus. Wenn diese Zusammenhänge nicht berücksichtigt werden, fühlen sich viele Patient:innen mit ihren Beschwerden nicht wirklich verstanden. Unser Ziel ist es, genau diese Lücke zu schließen.
Warum braucht es aus Ihrer Sicht einen explizit geschlechtersensiblen Blick in der Psychosomatik?
Wemme: Die Medizin hat lange Zeit vor allem den männlichen Körper als Referenz genommen. Inzwischen wissen wir, dass viele Erkrankungen bei Frauen anders verlaufen oder andere Ursachen haben können. Hormonelle Schwankungen, Schwangerschaft, Geburt oder Wechseljahre sind biologische Faktoren, die einen starken Einfluss auf die seelische Gesundheit haben. Das weibliche Gehirn verändert sich sogar während einer Schwangerschaft. Vieles ist allerdings noch unerforscht – wir sprechen hier vom sogenannten „Gender Health Gap“. Themen wie Schwangerschaft, Geburt, Sexualität sowie die gesellschaftliche Rolle als Mutter und Frau müssen deshalb explizit berücksichtigt und dürfen nicht ausgeklammert werden.
Weibliche Lebensphasen und Psychosomatik
Welche psychosomatischen Erkrankungen treten bei Frauen besonders häufig auf – und warum?
Wemme: Häufig sehen wir Depressionen, Angststörungen, chronische Erschöpfungssyndrome oder somatoforme Beschwerden. Frauen berichten auch häufiger über chronische Schmerzen oder funktionelle Beschwerden wie Reizdarmsyndrom oder Spannungskopfschmerzen. Die Ursachen sind meist multifaktoriell. Neben biologischen Faktoren spielen psychosoziale Belastungen eine wichtige Rolle – etwa Mehrfachbelastungen durch Beruf, Familie oder die Pflege von Angehörigen. Zudem zeigen auch Studien, dass Frauen emotionale Belastungen häufiger internalisieren, also stärker nach innen richten.
Welche Rolle spielen Menstruationszyklus, Schwangerschaft, Wochenbett oder Wechseljahre bei der Entstehung oder Verstärkung psychischer Erkrankungen?
Wemme: Diese Lebensphasen sind durch tiefgreifende hormonelle Veränderungen geprägt. Hormone beeinflussen nicht nur körperliche Prozesse, sondern auch das zentrale Nervensystem – und damit unsere Stimmung sowie die Stressregulation. Bei einigen Frauen können hormonelle Schwankungen depressive oder angstbezogene Symptome verstärken, etwa bei der schweren Form des Prämenstruellen Syndroms (PMDS). Betroffene berichten häufig, sie seien „nicht mehr sie selbst“ – sie fühlen sich stark reizbar, depressiv und erleben einen hohen Leidensdruck.
Besonders sensibel ist auch das Wochenbett: Hier kommen zu den hormonellen Veränderungen oft Schlafmangel, die körperliche und emotionale Verarbeitung der Geburt sowie die neue Rolle als Mutter hinzu. In der Perimenopause sind es vor allem hormonelle Schwankungen, die zu Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und einer erhöhten emotionalen Empfindlichkeit führen können. Umso wichtiger ist es, diese Lebensphasen nicht isoliert zu betrachten, sondern medizinisch und psychosomatisch gemeinsam zu verstehen und zu begleiten.
Beobachten Sie Unterschiede in der Symptomdarstellung zwischen Frauen und Männern – beispielsweise bei Depressionen?
Wemme: Ja, durchaus. Frauen berichten häufiger über Gefühle von Selbstzweifeln, Erschöpfung oder Schuldgefühlen. Oft zeigt sich auch, dass Emotionen wie Ärger oder Enttäuschung nicht offen ausgedrückt werden. Viele Frauen beschreiben, „durchzuhalten“ und eigene Bedürfnisse zurückzustellen. Männer hingegen zeigen etwas häufiger nach außen gerichtete Symptome wie Reizbarkeit oder riskantes Verhalten. Natürlich handelt es sich dabei nicht um starre Muster – sie können jedoch helfen, Symptome besser einzuordnen. Entscheidend ist immer, den individuellen Lebenskontext zu berücksichtigen.
Körper–Psyche–Hormonachse
Welche Bedeutung haben Stress, Cortisolregulation und chronische Überlastung für frauenspezifische Beschwerdebilder?
Wemme: Chronischer Stress wirkt sich direkt auf hormonelle Regelkreise aus. Das Stresshormon Cortisol beeinflusst unter anderem Schlaf, Immunsystem und Stoffwechsel. Hält Stress dauerhaft an, kann dieses System aus dem Gleichgewicht geraten – mit möglichen Folgen wie Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Periode. Häufig kommen zusätzliche Beschwerden wie Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme hinzu. Deshalb ist das Thema Stressregulation ein zentraler Bestandteil unseres spezifischen Therapiekonzept für Frauengesundheit. Wir vermitteln unseren Patientinnen Entspannungsübungen und bieten täglich Meditation sowie Qi Gong an. Zudem unterstützen wir sie dabei, eigene Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen und klare Grenzen zu setzen.
Welche psychosomatischen Symptome werden häufig vorschnell rein gynäkologisch oder rein psychisch behandelt – obwohl sie eigentlich integrativ betrachtet werden müssten?
Wemme: Ein klassisches Beispiel ist die Vulvodynie – eine chronische Schmerzerkrankung im Bereich des weiblichen Genitals – oder auch chronischer Unterbauchschmerz. Betroffene Patient:innen werden häufig über lange Zeit mit Cremes, Antibiotika oder Kortison behandelt und mitunter sogar mehrfach operiert – jedoch oft ohne nachhaltige Linderung. Hier zeigt sich, wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz ist: Wirksam ist in der Regel ein multimodales Therapiekonzept, das intensive Aufklärung, Psychotherapie, Beckenbodentherapie und Schmerztherapie miteinander verbindet.
Typische Beschwerdebilder bei Frauen
Mit welchen Diagnosen kommen Patientinnen im Rahmen des neuen Angebots besonders häufig zu Ihnen?
Wemme: Häufig sehen wir Frauen mit depressiven Symptomen oder Angsterkrankungen, bei denen belastende Erfahrungen wie ein unerfüllter Kinderwunsch, Fehlgeburten oder schwierige Geburtserlebnisse eine Rolle spielen. Auch Patient:innen nach einer Brustkrebserkrankung suchen Unterstützung. Die Erkrankung ist heute oft gut behandelbar, kann jedoch das Körperbild und die seelische Gesundheit nachhaltig beeinflussen. Nicht selten wird im Rahmen der Perimenopause erstmals eine depressive Episode oder auch eine ADHS-Diagnose gestellt, da sich bestehende Symptome in dieser Lebensphase verstärken können.
Weitere häufige Themen sind sexuelle Funktionsstörungen sowie chronische Schmerzen, etwa durch eine verspannte Beckenbodenmuskulatur (Chronic Pelvic Pain Syndrome), bei Endometriose oder Vulvodynie. Viele Patientinnen berichten zudem von einem anhaltenden Gefühl der Überforderung im Alltag.
Wie äußern sich hormonell beeinflusste Depressionen oder Angststörungen klinisch?
Wemme: Diese können sich ähnlich wie andere Depressionen äußern – etwa durch Niedergeschlagenheit, Erschöpfung oder Schlafprobleme. Manche Patientinnen berichten auch über starke Stimmungsschwankungen, eine erhöhte Reizbarkeit oder eine besondere Sensibilität gegenüber Stress. Häufig treten die Symptome in hormonellen Übergangsphasen auf, zum Beispiel postpartal oder in der Perimenopause. Ebenso ist die zweite Zyklushälfte typisch für diese hormonell bedingten psychischen Veränderungen. Das kann ein wichtiger Hinweis für die Diagnostik sein.
Welche Bedeutung haben unerfüllter Kinderwunsch, Fehlgeburten oder Geburtserfahrungen für die psychosomatische Gesundheit von Frauen?
Wemme: Diese Erfahrungen können emotional sehr belastend sein. Betroffene Frauen erleben häufig Trauer, Scham- oder Schuldgefühle – oder das Gefühl, mit ihren Emotionen allein zu sein, da viele dieser Themen gesellschaftlich noch immer tabuisiert sind. Bei einigen Patientinnen entwickeln sich nach belastenden Geburtserfahrungen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Werden solche Erlebnisse nicht ausreichend verarbeitet, können sie langfristige Auswirkungen auf die seelische Gesundheit haben und auch die Mutter-Kind-Beziehung beeinflussen. Umso wichtiger ist es uns, in der Therapie einen geschützten Raum für diese Themen zu schaffen und sie sensibel zu begleiten.
Spielen Themen wie Körperbild, Sexualität oder gesellschaftliche Rollenerwartungen eine Rolle in der Therapie?
Wemme: Ja, das beobachte ich regelmäßig im Klinikalltag. Das Körperbild verändert sich im Laufe des Lebens – etwa durch Schwangerschaft, hormonelle Veränderungen oder Erkrankungen. Auch gesellschaftliche Erwartungen an Leistungsfähigkeit oder Perfektion können zusätzlichen Druck erzeugen. Viele Frauen begegnen ihrem eigenen Körper- und Spiegelbild mit Skepsis – ein Gefühl, das durch soziale Medien häufig noch verstärkt wird. In der Therapie arbeiten wir daran, ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper, zur eigenen Sexualität und zu den eigenen Bedürfnissen zu entwickeln. Dabei setzen wir insbesondere auf Körperpsychotherapie und Kunsttherapie. Gerade weil es vielen Patient:innen schwerfällt, über diese Themen zu sprechen, bieten kreativtherapeutische Ansätze die Möglichkeit, sich auch nonverbal auszudrücken und neue Zugänge zu den eigenen Gefühlen zu finden.
Gesellschaftliche Rollen & psychosoziale Faktoren
Welche Rolle spielen Mehrfachbelastungen – etwa Beruf, Care-Arbeit und Mental Load – bei psychosomatischen Erkrankungen von Frauen?
Wemme: Viele Frauen tragen gleichzeitig Verantwortung in verschiedenen Lebensbereichen. Diese Mehrfachbelastung und ein hoher Mental Load können zu chronischem Stress führen. Wenn dauerhaft zu wenig Raum für Erholung oder Selbstfürsorge bleibt, wirkt sich das langfristig auf Körper und Psyche aus. Viele Frauen haben zudem nicht gelernt, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, und gehen immer wieder über ihre Grenzen hinweg. Deshalb sprechen wir in der Therapie gezielt über die Bedeutung von Selbstfürsorge und entwickeln gemeinsam mit unseren Patientinnen individuelle Ressourcen. Für viele ist das zunächst ungewohnt und fühlt sich sogar fremd an – insbesondere dann, wenn sie es gewohnt sind, sich vor allem um andere zu kümmern.
Inwiefern wirken sich gesellschaftliche Erwartungen an Leistungsfähigkeit oder Perfektion auf die psychische Gesundheit aus?
Wemme: Viele Frauen erleben einen hohen inneren Anspruch, in verschiedenen Rollen gleichzeitig funktionieren zu müssen – beruflich, familiär und sozial. Dieser Perfektionsdruck kann zu einem Gefühl ständiger Überforderung führen. Ein wichtiger therapeutischer Schritt besteht daher darin, realistische Erwartungen zu entwickeln und eigene Grenzen wahrzunehmen.
Prävention & Selbstfürsorge
Welche Rolle spielt das Thema Selbstfürsorge – und warum fällt es vielen Frauen schwer, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen?
Wemme: Viele Frauen sind es gewohnt, sich sehr um andere zu kümmern. Dabei geraten die eigenen Bedürfnisse manchmal in den Hintergrund. Selbstfürsorge bedeutet jedoch nicht Egoismus, sondern ist eine wichtige Grundlage für Gesundheit. In der Therapie unterstützen wir Patientinnen dabei, ihre eigenen Ressourcen wieder stärker wahrzunehmen.
Was können Frauen präventiv tun, um psychosomatische Beschwerden frühzeitig zu erkennen?
Wemme: Ein wichtiger Schritt ist, auf die eigenen Körpersignale zu achten. Viele Beschwerden entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Wenn Erschöpfung, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen länger anhalten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Frühe Unterstützung kann verhindern, dass sich Beschwerden verfestigen.
Therapeutischer Ansatz für Frauen im Gezeiten Haus Bonn
Was unterscheidet das neue Konzept für Frauen von einer klassischen psychosomatischen Behandlung?
Wemme: Unser Ansatz verbindet gynäkologische Expertise mit psychosomatischer Medizin. Das bedeutet, dass wir körperliche, hormonelle und psychische Aspekte gemeinsam betrachten und behandeln. Wir geben den Patientinnen einen Raum, in dem auch schambesetzte Themen zur Spreche kommen dürfen und fragen ganz explizit z.B. nach belastenden Geburtserfahrungen, Fehlgeburten, Sexualität oder zyklusassoziierten Beschwerden. Die Therapie erfolgt multimodal – also mit verschiedenen therapeutischen Bausteinen. Dazu gehören psychotherapeutische Gespräche, die Behandlung gynäkologischer Beschwerden, Körpertherapie, Kunsttherapie und Achtsamkeit.
Wie verbinden Sie gynäkologische Expertise mit psychotherapeutischen Verfahren?
Wemme: Zunächst erfolgt eine sorgfältige diagnostische Abklärung. Dabei berücksichtigen wir sowohl medizinische als auch psychosoziale Faktoren. Wichtig ist, Symptome auch aktiv zu erfragen, da sie häufig nicht von den Patientinnen selbst benannt werden. Viele Themen sind nach wie vor schambesetzt – hier hilft mir mein gynäkologisches Fachwissen, Aspekte wie Zyklusstörungen oder sexuelle Funktionsstörungen gezielt anzusprechen. In der Therapie arbeiten Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen und Therapeut:innen aus verschiedenen Fachrichtungen eng zusammen. Dieses interdisziplinäre Vorgehen ermöglicht eine individuell abgestimmte Behandlung.
Welche Rolle spielen multimodale Ansätze wie Körpertherapie, Achtsamkeit oder kreative Verfahren im Behandlungskonzept?
Wemme: Diese Methoden helfen vielen Patient:innen, wieder einen Zugang zum eigenen Körper zu finden. Körpertherapie kann Spannungen lösen und das Körperbewusstsein stärken. Unsere Körpertherapeutin ist zudem als Hebamme tätig und darin geschult, Patient:innen anzuleiten, ihren Beckenboden wieder wahrzunehmen und gezielt zu stärken. Achtsamkeitsübungen unterstützen die Stressregulation. Die Kunsttherapie ermöglicht es, Gefühle auszudrücken, die sich manchmal schwer in Worte fassen lassen.
Was wünschen Sie sich langfristig für die psychosomatische Versorgung von Frauen in Deutschland und was möchten Sie Frauen mitgeben, die unsicher sind, ob ihre Beschwerden „ernst genug“ für eine Behandlung sind?
Wemme: Ich wünsche mir, dass geschlechtersensible Medizin stärker in der Versorgung verankert wird. Viele gesundheitliche Themen von Frauen werden noch immer unterschätzt oder nicht ausreichend erforscht. Eine integrative Betrachtung von Körper, Psyche und Lebenskontext könnte die Versorgung deutlich verbessern. Ich ermutige Frauen auch, ihre Beschwerden ernst zu nehmen. Gesundheit bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Wenn körperliche oder seelische Symptome das Leben belasten, ist es sinnvoll, Unterstützung zu suchen. Hilfe in Anspruch zu nehmen ist ein Zeichen von Stärke.

Dr. med. Sarah Wemme ist Fachärztin für für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und sexualmedizinische Beraterin. Seit 2022 ist sie in der psychosomatischen Klinik im Gezeiten Haus Bonn tätig.
Vielen Dank für das Gespräch und die fachliche Expertise!
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